Archiv für Oktober 2012

Refugee Protest Marsch in Wittenberg

Am 29.September erreichte „Refugee Protest Marsch“ Lutherstadt Wittenberg.
Die Forderungen des Protestmarsches, der in Würzburg am 08.September begann, sind ein menschenwürdiges Leben ,Abschaffung der Resdidenszpflicht, Schließung aller Lager und der sofortige Stopp aller Abschiebungen sowie deren Abschaffungen.

Diese Themen wurden auf einer Kundgebung am Freitag vor der Wittenberger Schloßkirche thematisiert. In mehreren Redebeiträgen wurde auf die katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen eingegangen, unter den Flüchtlinge in Deutschland und in ganz Europa leben müssen. Eben diese Situation, sowie der mit ihr verbunden Isolation der Menschen in den Lagern, der Residenzpflicht,und der permanenten Gefahr der Abschiebung in vermeintliche „Herkunftsländer“ führen, oft dazu das die betroffenen sich versuchen das Leben zu nehmen. Ein aktuelles Beispiel hierfür, ist der Selbstmordversuch von Majid Dehghan, der nach einer versuchten Selbsttötung in eine psychiatrischen Anstalt eingewiesen wurde. Nach seiner Entlassung hat er wieder versucht, sich das Leben zu nehmen, seid dem liegt er im Koma.
Doch man muss nicht erst nach Weiden in Bayern schauen. In der Nähe von Möhlau, was ca. 30 Kilometer von Wittenberg und 20 km von Dessau entfernt liegt, werden immer noch tagtäglich Menschen systematisch isoliert und ihrer Menschlichkeit beraubt. Gerade auf diese Zustände wurden dann auch am Samstag bei einer Demonstration durch Wittenberg von den Menschen des Protestmarsches zusammen mit der Möhlauer Flüchtlingsiniative ,der Gruppe „No Lager Halle“ und dem Verein „Kultur mit Sahne “ aufmerksam gemacht.

Begleitet wurde die Demonstration von zahlreichen Vertreter*innen der Presse wie zb. dem „Stern“, ZDF und weiteren. Die Wittenberger Lokalpresse war aber anscheinend so sehr mit dem Töpfermarkt beschäfftigt, so dass es nur für ein kurzes vorbeischauen am Freitag gereicht hatte. Die Resonanz von Außenstehende auf die Demonstration überderen Inhalte und Forderungen waren jedoch sehr gespalten. So gab es positive aber auch ablehnende oder desinteressierte Reaktionen auf die Flyer die während der Demo verteilt wurden. Die ca. 100 Teilnehmer*innen fanden sich nach Zwischenkundgebungen an der Kreisverwaltung, der Stadtverwaltung und der Polizei wieder zur Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz ein. Bis auf einige aufgeregte Stadtführer, die sich um den Ruf der Stadt und die Würde der Schloßkirche sorgten, gab es keine Störungen von außen.
Auch wenn ein paar Tage die NPD vereinzelt in der Innenstadt ihrer rassistischen Flyer gegen den Protestmarsch verteilt hatte, war von den Neonazis nichts zusehen. Nur kurz ließen sie sich 4 Neonazis bei der Abschlusskundgebung sehen, sind aber nach kurzer Zeit unverrichteter Dinge abgezogen.
Außer den Demonstrationen, wurde am Freitag- und Samstagabend thematische Filme zu der deutschen Asylpolitik und dem bisherigen Refugee Protest Marsch im Wittenberger Pferdestall gezeigt. Zu dem gab Raum für unterschiedliche Diskussionen und Erfahrungsaustausch.

Der Verein Kultur mit Sahne bedankt sich hierbei nochmal ausdrücklich bei allen Menschen, die sich an der Kundgebung, der Demonstration und praktischer Solidarität beteiligt haben. Wir wünschen den Aktvist*innen noch viel Kraft für die letzten 100 Kilometer nach Berlin. Unser dank gilt auch an demWittenberger „CVJM“ ,der den Menschen des Protestmarsches eine schöne Unterkunft, und dem IB Wittenberg die den Pferdestall zur Verfügung gestellt haben.